The Greek Passion

  • Oper
  • ab 20,50 € p.P.
Oper in vier Akten
Text vom Komponisten nach Nikos Kazantzakis
Uraufführung der zweiten Fassung 1961, Stadttheater, Zürich

Aus Spiel wird Ernst: Während eine Dorfgemeinde für ein Passionsspiel probt, bittet eine Gruppe Geflüchteter um Asyl. Folgen die Gemeindemitglieder auch im realen Leben dem Gebot der Nächstenliebe?

Ostern in dem griechischen Dorf Lycovrissi: Priester Grigoris verkündet feierlich, wer als Darsteller für das kommende Passionsspiel ausgewählt wurde. Das vermeintlich schwerste Los fällt dabei auf den Hirten Manolios, der die Rolle des Jesus verkörpern soll. Priester Grigoris fordert alle Schauspieler auf, durch ein moralisch tadelloses Leben ihren biblischen Vorbildern würdig zu werden. Als ein Flüchtlingstreck in Lycovrissi eintrifft, bröckelt jedoch die humanistische Fassade des Geistlichen: Während Manolios den Schutzsuchenden ein Stück Land anbietet, wettert ausgerechnet Grigoris gegen die Neuankömmlinge. Manolios radikalisiert sich in der Folge zunehmend: Er kappt seine Verlobung mit Lenio und unterdrückt sein sexuelles Verlangen nach Katerina, die die Maria Magdalena darstellen soll. Nachdem unter den Geflüchteten eine Hungersnot ausbricht, fordert Manolios die Dorfgemeinschaft auf, ihren Besitz mit den Bedürftigen zu teilen. Mit Erfolg: Immer mehr Bewohner leisten seinen Forderungen Folge, bis Priester Grigoris eingreift. Er exkommuniziert Manolios, der daraufhin von Panais, dem Darsteller des Judas, getötet wird.

Bohuslav Martinůs letztes großes Bühnenwerk basiert auf dem Roman Der wiedergekreuzigte Christus von Nikos Kazantzakis. Der griechische Schriftsteller verarbeitete darin seine Erfahrungen des Griechisch-Türkischen Kriegs (1919/22) und des Griechischen Bürgerkriegs (1946/49): Diese ließen in ihm die Erkenntnis reifen, dass ein Umsturz bestehender Unrechtssysteme nur mit Gewalt möglich sei. Martinů verzichtet in seiner Oper auf eindeutige politische Statements und verdichtet das Geschehen auf poetische Weise. Seine Musik erzeugt eine ebenso lebensnahe wie mystische Atmosphäre, die stets die Kernfrage des Werkes im Auge behält: Wie ist in einer egoistischen Welt solidarisches Handeln möglich?


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