St. Bonifatiuskirche
Zwei Jahre verbrachte Martin Weber (1890-1941) im Kloster, bevor er sich 1925 als Architekt in Frankfurt niederließ – just in dem Jahr, in dem das Neue Frankfurt als radikales Stadterneuerungsprojekt anlief. Der Bau von Kirchen hatte Weber, damals gerade Mitte 30, schon immer fasziniert; mit der St. Bonifatius-Kirche in Sachsenhausen schuf er nun ab 1926 ein Novum expressionistischer Bauart, das deutschlandweit für Aufsehen sorgte: eine Kirche in Eisenbeton und mit roten Klinkern verblendet. Viele Zeitgenoss*innen kritisierten Weber dafür, gleichzeitig wurde die Kirche zum Vorbild für ähnliche Projekte und gerade die scheinbar profanen Baustoffe geben dem Bau mit dem sechseckigen Turm einen besonderen Auftritt. Der Grundriss trägt der Doppelfunktion der 1927 geweihten Kirche Rechnung: Der untere Teil ist Gedächtnisort, Weber schuf hier eine Kapelle für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Die mächtige Spitzbogenhalle im oberen Teil ist dagegen dem Leben und dem Himmel zugewandt. Von Weber selbst ist überliefert, dass er den Gang vom Hauptportal in Richtung Altar dem Aufstieg vom dunklen Diesseits ins strahlende Jenseits nachempfunden hat.
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