© Jüdisches Museum Frankfurt, Norbert Miguletz

Jüdische Kultur

Museen, Bildungsstätten und mehr

Frankfurt am Main ist ein Herzstück jüdischen Lebens in Deutschland. Seit dem Mittelalter sind die Präsenz und der Einfluss der jüdischen Gemeinschaften in Frankfurt spürbar. Von historischen Stätten wie dem Alten Jüdischen Friedhof und der Westend-Synagoge bis hin zum modernen Jüdischen Museum – die Stadt erzählt Geschichten von Herausforderungen, Errungenschaften und der tiefen Verwurzelung jüdischer Traditionen.

Das heutige jüdische Frankfurt pulsiert mit Leben und Vielfalt. Kulturelle Veranstaltungen, Bildungsangebote und Feste laden ein, die lebendige jüdische Kultur zu entdecken. Diese Begegnungen bieten nicht nur Einblicke in eine reiche Geschichte, sondern fördern auch den Dialog und das Verständnis zwischen den Kulturen.

Eine Erkundung des jüdischen Frankfurts verspricht eine bereichernde Reise in eine Welt voller Tradition, Widerstandsfähigkeit und Kreativität. Lass dich von der Geschichte und Gegenwart des jüdischen Lebens in Frankfurt inspirieren und entdecke die vielschichtigen Facetten dieser einzigartigen Kultur.

  • Detailseite 'Jüdisches Museum Frankfurt' öffnen
    CC-BY-SA #visitfrankfurt_plazy_Isabela_Pacini
    Tipp Jüdisches Museum Frankfurt
    Spezialmuseum
    Bertha-Pappenheim-Platz 1, 60311 Frankfurt am Main
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    © Jüdisches Museum
    Tipp Museum Judengasse
    Spezialmuseum
    Battonnstraße 47, 60311 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Bildungsstätte Anne Frank e.V.' öffnen
    © Bildungsstätte Anne Frank e.V., Felix Schmitt
    Bildungsstätte Anne Frank e.V.
    Spezialmuseum
    Hansaallee 150, 60320 Frankfurt am Main
Freiherr Mayer Carl von Rothschild, älterer Herr mit Glatze, vollem Backenbart und festlichem Anzug, geschmückt mit Orden, 19. Jahrhundert.
© Jüdisches Museum Frankfurt
Wer ein Haus baut, will bleiben.
Salomon Korn

Frankfurter Jüdinnen und Juden

Eine Auswahl bekannter Persönlichkeiten

Alte Jüdische Friedhöfe

Battonnstraße und Rat-Beil-Straße

Die beiden historischen jüdischen Friedhöfe in Frankfurt geben dir einen eindrucksvollen Einblick in über 700 Jahre jüdische Geschichte. 
Der Alte Jüdische Friedhof Battonnstraße zählt zu den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfen nördlich der Alpen. Hier findest du Grabsteine aus dem Mittelalter und Spuren einer jahrhundertealten jüdischen Gemeinde – ein stiller Ort der Erinnerung mitten in der Innenstadt, in direkter Nähe zum Museum Judengasse und dem Gedenkort Neuer Börneplatz.

Mit dem Wachstum der Stadt entstand im 19. Jahrhundert der Alte Jüdische Friedhof Rat-Beil-Straße, der bis 1928 als zentraler Begräbnisplatz diente. Die parkähnliche Anlage mit historischem Baumbestand und zahlreichen Grabstätten bedeutender Frankfurter Persönlichkeiten ist heute ein geschütztes Kulturdenkmal und ein besonderer Ort zum Innehalten.

Beide Friedhöfe sind unter bestimmten Bedingungen für Besucher*innen zugänglich – bitte beachte die jeweiligen Besuchsregelungen.

Neuer Jüdischer  
Friedhof

Der Neue Jüdische Friedhof an der Eckenheimer Landstraße wurde Ende der 1920er Jahre eröffnet und ist bis heute der zentrale Begräbnisort der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Er grenzt an den Hauptfriedhof und wird weiterhin aktiv genutzt.

Beim Spaziergang über das weitläufige Gelände spürst du die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart: historische Grabstätten, moderne Gräberfelder und Gedenkorte liegen hier nebeneinander. Die Friedhofsmauer erinnert zudem an zerstörte Synagogen der Stadt und macht den Ort zu einem wichtigen Zeugnis jüdischer Geschichte und Erinnerungskultur.

Der Friedhof ist – mit Rücksicht auf religiöse Regeln – für Besuchende zugänglich.

Jüdische Gedenkstätten

Denkmäler, Erinnerungsstätten, Gedenkstelen, Stolpersteine

Über die ganze Stadt verteilt findest du Orte des Erinnerns, die die jüdische Geschichte Frankfurts sichtbar machen – und die Geschichten von Menschen erzählen, die diese Stadt geprägt haben. Gedenkstätten, Denkmäler, Stolpersteine und Erinnerungszeichen laden dich dazu ein, innezuhalten, nachzudenken und die Vergangenheit im heutigen Stadtbild zu entdecken.
Sie erinnern an die Vielfalt jüdischen Lebens, an herausragende Persönlichkeiten – aber auch an Verfolgung, Vertreibung und die Zerstörung jüdischer Gemeinden im Nationalsozialismus. 
Frankfurt setzt damit ein sichtbares Zeichen für Erinnerungskultur, Dialog und Verantwortung.

  • Detailseite 'Ehemaliger Wohnort von Oskar Schindler (1908-1974), Am Hauptbahnhof 4' öffnen
    © #visitfrankfurt, Jessica Jaekel-Badouin
    Ehemaliger Wohnort von Oskar Schindler (1908-1974), Am Hauptbahnhof 4
    Denkmal
    Am Hauptbahnhof 4, 60329 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Erinnerungsstätte Synagoge Friedberger Anlage' öffnen
    Erinnerungsstätte Synagoge Friedberger Anlage
    Denkmal
    Friedberger Anlage 5-6, 60314 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle' öffnen
    © #visitfrankfurt
    Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle
    Denkmal
    Philipp-Holzmann-Weg, 60314 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Ettinghausenplatz / Virtuelle Synagoge Höchst' öffnen
    © #visitfrankfurt, Henrike Teßmer
    Ettinghausenplatz / Virtuelle Synagoge Höchst
    Denkmal
    Justinuskirchstraße 1, 65929 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Gedenkstele auf dem Hauptfriedhof' öffnen
    © Stadt Frankfurt, Salome Roessler
    Gedenkstele auf dem Hauptfriedhof
    Friedhof / Historischer Friedhof
    Eckenheimer Landstraße 194, 60320 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Gedenkstätte Börneplatz' öffnen
    © #visitfrankfurt
    Gedenkstätte Börneplatz
    Denkmal
    Neuer Börneplatz, 60311 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Geschichtsort Adlerwerke' öffnen
    © Holger Menzel
    Geschichtsort Adlerwerke
    Spezialmuseum
    Kleyerstraße 17, 60326 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Paul Arnsberg-Gedenkstele' öffnen
    © #visitfrankfurt
    Paul Arnsberg-Gedenkstele
    Denkmal
    Paul-Arnsberg-Platz, 60314 Frankfurt am Main
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    CC-BY-SA #visitfrankfurt, plazy, Isabela Pacini
    Poelzig-Bau / Campus Westend
    Hochschule oder Universität
    Norbert-Wollheim-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main
  • Detailseite 'Stolpersteine' öffnen
    Zwei Stolpersteine mit Rosen auf Pflastersteinen
    © #visitfrankfurt , Jessica Jaekel-Badouin
    Stolpersteine
    Denkmal
    Kronberger Straße 47, 60323 Frankfurt am Main

Judentum in Frankfurt heute

Jüdische Gemeinschaft erleben

Westend-Synagoge in Frankfurt bei strahlend blauem Himmel.
© #visitfrankfurt, Holger Ullmann

Westend-Synagoge

Eine kulturhistorische Besonderheit ist die Synagoge in der Freiherr-vom-Stein-Straße, die von 1908-1910 erbaut wurde. Prägnant ist die mächtige Kuppel, die schon von weitem zu sehen ist. Der Giebel an der Eingangsseite zeigt ein Medaillon mit einem Löwen, der unter seiner Tatze ein Schild mit einem Davidstern hält. Der Innenraum der Westend-Synagoge ist mit reichen Ornamenten in den Farben Blau und Gelbgold verziert. Der Raum für den Gottesdienst bietet für 1.000 Personen Platz. Daran schließen sich Verwaltungsräume, Wohnungen, ein Gebetsraum und eine Betstube, die auch als Lehrsaal benutzt wird, an.

Sie ist eine der wenigen Gotteshäuser, das nach dem Krieg erhalten blieb, obwohl es größtenteils ausbrannte. Wiederhergestellt wurde die Synagoge 1950 und 1994 restauriert. Somit ist sie nicht nur religiöses Zentrum, sondern auch eine Gedenkstätte.

Gemeindezentren

Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt  setzte sich im Juli 1945 aus vielen Überlebenden des Holocaust aus Osteuropa zusammen und hat heute gut 7.000 Mitglieder. Sie ist nach Berlin die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland. Das Jüdische Museum Frankfurt, das Fritz Bauer Institut zur Erforschung der Wirkungsweise des Holocaust, die bedeutende Judaica-Sammlung in der Stadt- und Universitätsbibliothek sowie die Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main sind ein wichtiger Teil jüdischen Lebens und Kultur in der Stadt.

Die Jüdische Gemeinde hat ihren Sitz im Westend. Das Ignatz Bubis-Gemeindezentrum wurde 1986 eröffnet. Es umfasst Kindergärten, die Isaak-Emil-Lichtigfeld-Schule mit Jugendzentrum, Sozialabteilung, Seniorenclub und das koschere Restaurant Sohar. Ein Altenzentrum befindet sich im Stadtteil Bornheim. Sportlich aktiv ist der Frankfurter Sportverein TuS Makkabi und regelmäßig treffen sich die Frauenorganisation WIZO und der Frauenverein.

Jüdische Geschichte

Eine Chronik ab dem 12. Jahrhundert

Eine Mauer mit Tafeln, die die Namen deportierter und ermordeter jüdischer Menschen tragen, jeweils mit Gedenksteinen versehen.
© #visitfrankfurt, Jessica Jaeckel-Badouin

Bereits um 1150 lässt sich eine jüdische Bevölkerung in Frankfurt urkundlich belegen. Ihre unter kaiserlichem Schutz stehende Siedlung lag in unmittelbarer Nähe des heutigen Doms. Doch auch das Privileg Kaiser Friedrichs II. konnte nicht verhindern, dass es 1241 zum ersten Frankfurter Pogrom kam.

Zu den nächsten großen Auseinandersetzungen kam es 1349. Juden wurden für die Pest verantwortlich gemacht. Als der Dom in Brand geriet, wurde das Gerücht verbreitet, dass Juden diesen angezündet hätten, was abermals den Volkszorn entfesselte. Mehr als 200 Juden wurden ermordet.

1462 wurden die Juden gezwungen, in einem Ghetto am damaligen Stadtrand zu wohnen. Dort lebten für die nächsten 350 Jahre rund 2.200 Menschen, zusammengepfercht in etwa 160 Häusern entlang der 330 Meter langen staufischen Stadtmauer. Das Leben der Bewohner wurde durch Verordnungen eingeschränkt.

Zu den bedrohlichsten Auseinandersetzungen kam es im Jahr 1612, als sich der (christliche) Krämer Vincenz Fettmilch gegen die bestehende Ordnung wandte. Die Konflikte zwischen der städtischen Unterschicht, dem von den Patriziern beherrschten Rat und den Juden verstärkten sich und führten dazu, dass Fettmilch und seine Anhänger nicht nur die Ratsmitglieder der Stadt mehrere Tage im Römer einsperrten, sondern auch zur Plünderung der Judengasse aufriefen. Der sogenannte „Fettmilch-Aufstand“ fand erst mit der Hinrichtung des Aufrührers im Jahr 1616 sein Ende.

1796 bombardierten französische Truppen das Ghetto und zerstörten es vollständig. Da sich viele Familien in anderen Teilen der Stadt Unterkünfte suchen mussten, war seit 1796 der Ghettozwang faktisch und seit 1811 auch rechtlich aufgehoben.

1804 wurde das Philanthropin gegründet, eine allgemeinbildende Schule. 1850 gründeten orthodoxe Juden die spätere israelitische Religionsgemeinschaft. Das Bürgerrecht blieb jüdischen Frankfurtern jedoch auch weiter vorenthalten. Erst das Jahr 1864 brachte die volle Gleichstellung. Das ermöglichte es der jüdischen Gemeinde zu wachsen.

1882 wurde die Synagoge am Börneplatz, 1907 die Synagoge in der Friedberger Anlage und 1910 die Westend-Synagoge eingeweiht. Mit ca. 30.000 Mitgliedern war die Jüdische Gemeinde in Frankfurt die zweitgrößte in Deutschland. Bis zum Zweiten Weltkrieg erlebte Frankfurt analog der jüdischen Emanzipation die für Frankfurt bedeutendste Epoche jüdischen Schaffens.

Das Jahr 1933 markierte, wie überall in Deutschland, einen tiefen Einschnitt in dieser Entwicklung. Es kam zum allgemeinen Boykott von Geschäften, deren Inhaber Juden waren. Weitere drastische Demütigungen und Repressalien folgten.

1938 wurden die Synagogen niedergebrannt, Wohnungen, Arztpraxen und Läden geplündert. Mehr als 2.500 jüdische Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Ab 1941 mussten Juden den gelben Stern tragen. Mehr als 11.000 Frankfurter Juden wurden in Vernichtungs- und Konzentrationslager deportiert, wo sie systematisch ermordet wurden. Einige konnten sich durch Auswanderung retten.

Nach 1945 kehrten nur wenige hundert Juden in ihre zerstörte Heimatstadt zurück. 1950 wurde die Westend-Synagoge wiederaufgebaut. 1986 wurde das Jüdische Gemeindezentrum eröffnet.

In den 1990er Jahren wuchs die jüdische Gemeinde stark durch Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion. Frankfurt entwickelte sich erneut zu einem der wichtigsten jüdischen Zentren Deutschlands.

1988 eröffnete das Jüdische Museum Frankfurt als erstes eigenständiges jüdisches Museum der Bundesrepublik Deutschland nach 1945. 2020 wurde das Museum nach umfassender Erweiterung mit dem Neubau „Lichtbau“ neu eröffnet.

Führungen

 zum jüdischen Frankfurt

Bis 1933 hatte Frankfurt nach Berlin die größte Jüdische Gemeinde in Deutschland. Erfahre bei einer zweistündigen Themenführung zu Fuß oder mit dem Bus mehr über ehemalige jüdische Mitbürger, ihren Beitrag zum kulturellen Leben und zur Historie der Stadt.

Buche bei uns deinen zertifizierten Guide zum Thema „Jüdisches Frankfurt“. Diese Tour wird für individuelle Gruppen als Rundgang oder als Rundfahrt angeboten.

Jüdisches Frankfurt zu Fuß

© #visitfrankfurt, Holger Ullmann

Jüdisches Frankfurt im Bus

© Jüdisches Museum Frankfurt, Norbert Miguletz

Erinnerungsstätte Großmarkthalle

© #visitfrankfurt, Jessica Jaeckel-Badouin